„Vollspektrum" steht auf fast jeder LED-Pflanzenlampe. Gemeint ist eine Lampe, die den gesamten für Pflanzen nutzbaren Bereich des Lichts abdeckt, also 400 bis 700 Nanometer. Der Begriff ist nicht genormt. Was eine gute Vollspektrum-Lampe ausmacht und wo die Grenzen liegen, erklärt dieser Artikel.
Was bedeutet Vollspektrum bei LED-Pflanzenlampen?
Ursprünglich stand Vollspektrumlicht für Licht, das dem Tageslicht ähnelt. Die Beleuchtungsindustrie nutzte den Begriff für Lampen mit einem Farbwiedergabeindex (CRI) über 90, unter denen Farben natürlich aussehen. Hersteller von Pflanzenlampen haben ihn übernommen. Heute bezeichnet „Vollspektrum" zwei recht unterschiedliche Bauarten:
| Bauart | Licht | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Weiße LEDs, oft mit zusätzlichen roten Dioden | Weiß, 3.000 bis 6.500 Kelvin | Deckt das Spektrum durchgehend ab, angenehm im Wohnraum, Pflanzen sehen natürlich aus |
| Rote und blaue LEDs, teils mit einzelnen weißen, UV- und IR-Dioden | Violett | Wirksam für die Photosynthese, aber mit Lücken im Spektrum und im Wohnraum Geschmackssache |
Wer weißes Licht erwartet, sollte deshalb auf die Angabe der Farbtemperatur in Kelvin achten und nicht allein auf das Wort „Vollspektrum". Was die einzelnen Farben bewirken, steht im Artikel zur Lichtfarbe.
Empfehlenswerte Vollspektrum-Pflanzenlampen
Als Leuchtmittel für vorhandene Lampen gibt es Vollspektrum-LEDs mit den Sockeln E27, E14 und GU10. Lampen nach Einsatzzweck zeigt der Pflanzenlampen-Vergleich.
Sind Vollspektrum-Pflanzenlampen sinnvoll?
Ja. Für Zimmerpflanzen, Kräuter, Anzucht und Überwinterung ist weißes Vollspektrum-Licht die praktischste Wahl. Drei Einschränkungen sollte man kennen.
1. Lumen und Lux sagen wenig über den Nutzen für die Pflanze
Ein Grundsatz der Beleuchtungstechnik lautet: PAR ist für Pflanzen, Lumen ist für Menschen. Lumen und Lux sind auf das menschliche Auge abgestimmt. Pflanzen nutzen für die Photosynthese das Licht zwischen 400 und 700 Nanometern, die photosynthetisch aktive Strahlung (PAR). Aussagekräftiger als Lumen sind deshalb die Photonenmenge (PPF, PPFD) und die Effizienz in µmol pro Joule; gute LED-Lampen liegen bei etwa 2 bis 3 µmol/J. Die Begriffe erklärt die Übersicht der 11 wichtigsten Kennzahlen.
2. Vollspektrum-Lampen bilden nicht das ganze Sonnenlicht ab
Sonnenlicht enthält neben dem sichtbaren Bereich auch ultraviolette und infrarote Strahlung.
Das Bild oben zeigt das Spektrum der Sonnenstrahlung auf Meereshöhe (rot) und außerhalb der Atmosphäre (gelb) Quelle: Robert A. Rohde, CC BY-SA 3.0
Pflanzen reagieren auch auf Strahlung außerhalb des PAR-Bereichs: UV-Licht regt Schutzstoffe an, dunkelrotes Licht beeinflusst Streckung und Blüte. Zum Wachsen brauchen sie beides nicht. Mehr dazu unter UV-Lampe für Pflanzen.
3. Vollspektrum-Lampen sind nicht dynamisch wie die Sonne
Abbildung – Spektrum der sichtbaren Wellenlängen in etwa auf Meereshöhe; Beleuchtung durch direktes Sonnenlicht im Vergleich zu direktem Sonnenlicht, das durch Wolken gestreut wird, und indirektem Sonnenlicht durch unterschiedliche Grade der Wolkenbedeckung. Quelle Txbangert, CC BY-SA 4.0
Das Spektrum der Sonne ändert sich mit Tageszeit, Sonnenstand und Bewölkung. Eine Lampe liefert dagegen immer dasselbe Licht. Für Zimmerpflanzen ist das kein Nachteil: Sie brauchen vor allem genug Licht über genug Stunden und eine Dunkelphase in der Nacht.
Welches Lichtspektrum ist das beste für das Pflanzenwachstum?
Pflanzen benötigen für die Photosynthese nur PAR-Licht. Darüber hinaus sollte das Spektrum zur Situation passen:
- Umgebung: Im Wohnraum weißes Licht, im Growzelt oder Keller spielt die Lichtfarbe für das Auge keine Rolle.
- Wachstumsphase: Für Anzucht und Blattwachstum eher kühles Licht mit 5.000 bis 6.500 Kelvin, für Blüte und Frucht wärmeres Licht oder zusätzliches Rot.
- Pflanzenart: Grünpflanzen sind anspruchslos, Fruchtgemüse profitiert von einem höheren Rotanteil.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Farbtemperatur: 4.000 bis 6.500 Kelvin für weißes Licht.
- Leistung und Abstand: Entscheidend ist die Lichtstärke an der Pflanze (siehe Lux-Tabelle).
- Effizienz: Wo angegeben, ist ein Wert ab 2 µmol/J gut.
- Timer und Dimmer: Erleichtern den Alltag und sparen Strom (siehe Stromverbrauch).
Ein Beispiel für eine Vollspektrum-Wachstumslampe mit Stab zum Einstecken in die Erde zeigt die Seite Wachstumslampe für Pflanzen.
Wie viel Licht deiner Vollspektrum-Lampe an der Pflanze ankommt, zeigt der Lichtrechner in Lux und PPFD.
Häufige Fragen
Was bedeutet Vollspektrum-LED?
Eine LED-Lampe, die das für Pflanzen nutzbare Licht von 400 bis 700 Nanometern abdeckt. Der Begriff ist nicht geschützt, die Qualität unterscheidet sich deshalb stark.
Ist Vollspektrum besser als rot-blaues Licht?
Für die Pflanze funktionieren beide. Weißes Vollspektrum-Licht hat im Alltag Vorteile: Es ist angenehmer, und Schädlinge oder Mangelerscheinungen sind besser zu erkennen. Mehr dazu unter Farbige vs. weiße LEDs.
Ist eine Vollspektrum-Lampe dasselbe wie eine Tageslichtlampe?
Nicht ganz. Tageslichtlampen sind für Menschen gedacht und haben eine hohe Farbtemperatur. Für Pflanzen sind sie brauchbar, wenn sie stark genug sind und nah an der Pflanze stehen. Mehr dazu: Tageslichtlampe für Pflanzen.
Ersetzt eine Vollspektrum-Lampe das Sonnenlicht?
Sie ersetzt den Teil des Sonnenlichts, den Pflanzen für die Photosynthese brauchen. Die Lichtmenge der Sonne erreicht eine Wohnraumlampe nicht, für Zimmerpflanzen ist das aber auch nicht nötig.








